Liebe Mitglieder Was bringt die Zukunft, wie geht es weiter? Fragen, welche die Menschheit seit je umtreibt. Sie lassen sich im Grossen wie im Kleinen stellen, philosophisch, persönlich oder im Kontext von Gruppen, Organisationen oder Ländern. Auch in unserem Verein, dem Mediationsforum Schweiz, der in diesem Jahr ein Vierteljahrhundert alt wird, stellt sich die Frage immer wieder. Wie sollen wir uns organisieren? Wer macht was, wer kann die Zeit und das Engagement dafür aufbringen? Was ist der Zweck unserer Vereinigung? Dazu macht sich der Vorstand nun einmal mehr Gedanken. Wir berichten dazu in Kürze. Anlass dazu ist unter anderem der Rücktritt unseres langjährigen Redaktors dieses Newsletters, David Strohm, der altershalber sein Mandat zurückgegeben hat und mit diesem letzten Newsletter aus seiner Werkstatt zurückblickt auf seine 21 Jahre Tätigkeit für das Mediationsforum. David hat mit grossem Engagement, Fachwissen und Stil das Mediationsforum Schweiz geprägt. David war nicht nur der Kopf hinter dem Newsletter, er war auch unser kritischer Begleiter, unser stiller Motor im Hintergrund. Obwohl nicht offiziell ein Vorstandsmitglied, war er an allen Sitzungen dabei, hat sich aktiv eingebracht und uns mit seinen Inputs oft neue Perspektiven eröffnet. Viele schätzen den Newsletter wegen seiner inhaltlichen Tiefe und der breiten Auswahl an sorgfältig recherchierten Artikeln zur Mediation. Es ist uns bewusst, dass es den Newsletter in dieser Form so nicht mehr geben wird. Davids Rückzug hinterlässt eine Lücke, fachlich wie menschlich. Lieber David, danke für deine Zeit, deine Energie und deinen klugen Blick. Du hast Spuren hinterlassen. Dafür sind wir sehr dankbar. Wir wünschen dir alles Gute. Für den Vorstand: Stephan
Burkart, Präsident MFS |
In dieser Ausgabe
Rückblick auf 21 Jahre Newsletter
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Weiterbildung & weitere Veranstaltungen
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Die Schweiz als Mediatorin: Aussenminister Cassis in Hongkong
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Oslo-Forum für Mediation und Diplomatie
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Gute Erfahrungen mit Mediation im Jugendstrafrecht in Baselland
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Streitende Eltern müssen im Kanton Bern zur Mediation
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AKW Gösgen: Streit um Steuergelder ohne Mediation
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Mediationsverfahren zu Nebenkostensteit im Joggeli
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Archivierte und weitere Newsletter
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Rückblick auf 21 Jahre Newsletter |
Als im Jahr 2004, vor 21 Jahren, dieser Newsletter zum ersten Mal erschien, sah die Welt und die Mediationslandschaft noch ein wenig anders aus. Es war eine Zeit der Aufbruchstimmung, die Mediation als ein Instrument der Konfliktlösung und als neues Tätigkeitsgebiet lag im Trend, was sich unter anderem in einer wachsenden Zahl von Ausbildungsmöglichkeiten und Teilnehmenden an den Kursen ausdrückte. Doch auch damals gab es Sorgen wegen Krieg und Unrast, unter anderem begann in jenem Jahr der zweite Irakkrieg und im Sudan und Jemen wüteten schreckliche Bürgerkriege - wie heute noch. Die Welt ist seither nicht ärmer geworden an inner- und zwischenstaatlichen Konflikten. Wie damals gilt unser «Land der guten Dienste» immer noch als ein Hort der diplomatischen Mediation. In der Schweiz gab es seither viele engagierte Vorstösse, die Mediation als aussergerichtliche Methode der Streitbeilegung zu etablieren, in Wirtschaft und Verwaltung, ebenso wie an Schulen, bei familiären und nachbarschaftlichen Konflikten. Die Einführung einer gesamtschweizerisch einheitlichen Zivilprozessordnung im Jahr 2011, in der die Mediation erstmals einen festen Platz innehatte, war ein Erfolg. In vielen Kantonen ist die Mediation inzwischen etablierter Teil der Rechtspflege. Gerichte haben Merkblätter zur Mediation herausgegeben, die Schweizerischen Handelskammern eine Mediationsordnung. Und überall im Land praktizieren freischaffende Mediatorinnen und Mediatoren in diversen Fachgebieten tagtäglich und helfen ihrer Klientel Konflikte beizulegen. Weit über 1000 sind Mitglied bei einer der im Dachverband FSM vereinten Fachorganisationen, davon etwa ein Viertel im Mediationsforum Schweiz und dem Institut für Mediation, mit dem wir seit langem eng verbunden sind und das auch unseren Mitgliedern
den Zugang zu Anlässen und Weiterbildung ermöglicht. Seit 2004 habe ich diesen Newsletter redigiert und euch und Ihnen, geschätzte Mitglieder und Mitlesende, regelmässig Informationen rund um das Thema Mediation aufgearbeitet und zusammengestellt. Nun darf ich altershalber anderen Aktivitäten nachgehen und neue Aufgaben übernehmen. Für das Interesse und die vielfach entgegengebrachte Wertschätzung für meine Arbeit, nicht nur seitens des Vorstands des Mediationsforums, bedanke ich mich an dieser Stelle. Merci vielmal! David Strohm, als scheidender Newsletter-Redaktor |
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Weiterbildung & weitere Veranstaltungen |
Institut für Mediation (IfM): Weiterbildungsveranstaltungen im 2. Halbjahr 2025. - Montag, 1. September: Weiterbildung zu «Mediation und Künstliche Intelligenz». Mit Michael Lardy, Mediator und AI-LLM Research, Graz. Mehr zu dieser und weiteren Veranstaltungen des IfM... - Mittwoch, 5. November: Weiterbildung zu «Mediation mit dem Zürcher Verhandlungsmodell». Mit Michael Bullinger vom Bullinger-Institut, Zürich. Details zu den Anlässen folgen, save the dates.
SKWM-Kongress 2025 – Zukunft der Konfliktlösung. Die Schweizer Kammer für Wirtschaftsmediation (SKWM) lädt ein zum Kongress «Zukunft der Konfliktlösung»: AmFreitag und Samstag, 5. und 6. September 2025, kommen Fachpersonen aus Mediation, Wirtschaft und Wissenschaft im Radisson Blu Hotel Luzern und an der Universität Luzern zusammen, um neue Wege der Konfliktlösung zu diskutieren und zu gestalten. Praxisorientierte Workshops & Simulationen zu KI und interkultureller Kommunikation sowie Keynotes u.a. von Tim Enderlin, Pascale Baeriswyl, Ken Cloke und George Kohlrieser. Infos & Anmeldung...
Jubiläumsanlass FSM mit Vergabe Mediationspreis
2025. Mittwoch, 29. Oktober 2025, von 14:00 bis 17:15 Uhr, mit anschliessendem Apéro und Gala-Dinner in der Giesserei Oerlikon, Zürich. Zu feiern gibt es ein rundes Vierteljahrhundert Mediation. Bei der Gründung des Schweizerischen Dachverbands Mediation, der Fédération Suisse Médiation FSM, bei der das kurz zuvor ins Leben gerufene Mediationsforum schon dabei war, war Mediation in der Schweiz noch weitgehend unbekannt. Heute ist sie ein fester Bestandteil der Zivilprozessordnung und hat sich in Wirtschaft und Gesellschaft als erfolgreiche Methode der Konfliktbearbeitung etabliert. Am Jubiläumsanlass in Zürich feiern wir nicht nur die Mediation, sondern auch die diesjährigen Gewinnerinnen und Gewinner des Mediationspreises für Unternehmen und Institutionen. Die Teilnahme am Jubiläumsanlass am Nachmittag ist kostenlos. Unkostenbeitrag für das Dinner: 99 Fr. Weitere Informationen und Link zur Anmeldung...
Hinweise auf weitere Veranstaltungen anderer Mediationsvereine finden sich hier...
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Die Schweiz als Mediatorin: Aussenminister Cassis in Hongkong |
Bundesrat Ignazio Cassis ist Ende Mai nach Hongkong gereist. Dort nahm der Aussenminister auf Einladung seines chinesischen Amtskollegen Wang Yi an einem Forum für Mediation teil, an dem Vertreterinnen und Vertreter von rund 60 Staaten zusammenkamen. Veranstaltet wurde das Forum von China aus Anlass der von ihm gegründeten Internationalen Organisation für Mediation, wie das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) mitgeteilt hatte. China lud die Schweiz laut EDA aufgrund ihres Ansehens und ihres Fachwissens im Bereich der Guten Dienste und der Mediation ein. Sie hat ihre Ansätze beim Forum über Mediation vorgestellt. Die Nachrichtenagentur SDA hat dazu einen Bericht verfasst, der u.a. im Blick erschienen ist. Eine lesenswerte, kritische Betrachtung von Cassis' «Guten Diensten» hat dazu das Journal 21 zusammengestellt... |
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Oslo-Forum für Mediation und Diplomatie |
Ein weiteres Forum fand kurz darauf in Oslo statt. Mehr als 100 Konfliktvermittlerinnen, Mediatorinnen, Entscheidungsträger, Diplomaten und Friedensakteure aus der ganzen Welt kamen in Norwegen zusammen, um sich mit einer der dringendsten Herausforderungen unserer Zeit zu befassen: die Kraft der Mediation und Diplomatie neu zu definieren, um in einer zunehmend unbeständigen Welt Frieden zu schaffen. Die zweitägige Klausurtagung, die gemeinsam vom norwegischen Aussenministerium und dem Zentrum für humanitären Dialog (HD) ausgerichtet wird, bot einen diskreten und informellen Rahmen, um Erfahrungen auszutauschen, Strategien zu entwickeln und Ideen zur Lösung von komplexen und langwierigen Konflikten in der Welt zu entwickeln. «Mediation und Diplomatie sind die wichtigsten Instrumente für globale Stabilität», sagte Espen Barth Eide, Norwegens Außenminister. «In einer Zeit zunehmender Spannungen, zerbrochener Allianzen und schwindender Achtung des Völkerrechts sind Einrichtungen wie das Oslo-Forum nicht nur hilfreich, sondern unverzichtbar.» Weitere Informationen zum diesjährigen Treffen finden sich hier... |
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Gute Erfahrungen mit Mediation im Jugendstrafrecht in Baselland |
Wie in anderen Kantonen ist die Mediation im Jugendstrafrecht im Kanton Baselland inzwischen gut verankert. Die Verantwortlichen ziehen eine positive Bilanz der bisherigen Verfahren. Dabei setzen sich Geschädigte und Täterschaft an einen Tisch und suchen eine Einigung zum Vorgefallenen. Gelingt das, wird das Strafverfahren eingestellt. Bei Jugendlichen sei dieser Ansatz besonders wertvoll, sagt Michael Wittmer von der Baselbieter Jugendanwaltschaft und selber auch Mediator: «Wenn Jugendliche nicht lernen, Konflikte zu lösen, wann sollen sie's dann lernen? Hinter Anzeigen und Delikten steckt immer eine Geschichte, ein Konflikt. Wenn man den lösen kann, hat man nachhaltig etwas gelöst.» |
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Streitende Eltern müssen im Kanton Bern zur Mediation |
Jedes Jahr sind rund 30'000 Kinder und Jugendliche von der Trennung ihrer Eltern betroffen. Damit sie nicht unter der Scheidung leiden, müssen zerstrittene Eltern im Kanton Bern zu einem klärenden Gespräch zusammenkommen. Mediation statt Anordnungen: Das Berner Modell zur Streitschlichtung zeigte in einem Pilotversuch Erfolge. Die obligatorischen Beratungsgespräche führten bei zwei Dritteln der Fälle zu Einigungen. Die Kesb Bern verzeichnet dadurch halb so viele neue Beistandschaften. Der Bundesrat plant nun die gesetzliche Verankerung der Konfliktlösung durch Mediation. Details zu diesem Thema haben die Tamedia-Zeitungen gebracht. Ein PDF des Artikels aus dem Tages-Anzeiger gibt es hier... |
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AKW Gösgen: Streit um Steuergelder ohne Mediation |
Der Kanton Solothurn ist mit seinen Vermittlungsbemühungen im Streit um die Verteilung der Steuereinnahmen des AKW Gösgen unter den Anrainergemeinden der Standortregion Däniken SO gescheitert. Däniken und neun Anrainergemeinden müssen nun ohne kantonale Mediation weiterverhandeln. Die Gemeinden fordern, dass Däniken 34 Prozent der Steuern und Abgaben des AKW mit ihnen teilt. Es dürfte gemäss früheren Budgets von Däniken um rund zwei Millionen Franken pro Jahr gehen. Mehr dazu in einer SDA-Meldung, die auf dem ee-Fachportal für Erneuerbare Energien erschienen ist... |
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Mediationsverfahren zu Nebenkostensteit im Joggeli |
Und damit zum Sport: Der FC Basel und die Stadion-Genossenschaft St. Jakob-Park wollen ihren festgefahrenen Streit um Mietrückstände und den Zustand des Joggeli-Stadions mithilfe einer Mediation lösen. Im Zentrum des Konflikts stehen Differenzen bezüglich der Nebenkosten – insbesondere für Strom und Wärme. Der FCB fühlt sich benachteiligt und verweist auf neu installierte Stromzähler, die belegen sollen, dass der Club jahrelang zu viel bezahlt habe. Zudem kritisiert der Verein den baulichen Zustand des Stadions. Die Clubleitung spricht von «erheblichen Mängeln», die man nicht länger allein beheben und finanzieren wolle. Die Genossenschaft weist die Vorwürfe zurück. Mehr dazu in Berichten von SDA und SRF... |
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Archivierte und weitere Newsletter |
Dieser Newsletter erscheint in acht bis zehn Ausgaben pro Jahr. Redaktion: David Strohm. Die Sammlung der vom Mediationsforum versandten Newsletter findet sich hier... Darüber hinaus erhalten unsere Mitglieder den Newsletter des Schweizerischen Dachverbands Mediation (FSM) zugestellt. Der aktuelle FSM-Newsletter (Ausgabe Juni 2025) lässt sich hier abrufen... Illustrationen und Fotos: Unsplash und/oder jeweilige Newsquellen. |
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